Gedichte

DeinGedicht.de

Geburtstagsgedichte

Übersicht      « vorherige Seite      nächste Seite »drucken

Der Sechziger ist übel dran


Vorleser:
So Freunde, sagen wir’s mal ehrlich,
der Sechziger lebt sehr gefährlich

und muss mit mancherlei Beschwerden
in diesem Alter fertig werden.

Er ist ein leidgeprüfter Mann,
das Elend fängt meist oben an.

Von vollem und gelocktem Haar,
sind höchstens nur noch Härchen da.

Auch kündet nur ein dünner Kranz,
von all zu früh verlornem Glanz.

Nur wenige, die vornehm grauen -
die steh’n dann hoch im Kurs bei Frauen.

Woraus man also schließen kann:

Alle:
Der Sechziger ist übel dran!

Vorleser:
Die Augen - feurig einst voll Glut,
sie sehen längst nicht mehr so gut.

Ermüdet blinzeln die Pupillen
durch elegante Modebrillen.

Die Ohren sind nicht mehr die alten,
die Denkerstirn zeigt tiefe Falten,

die Mandeln sind schon lange raus
und auch die Zähne fallen aus.

Woran man leicht erkennen kann:

Alle:
Der Sechziger ist übel dran!

Vorleser:
Die stolzgeschwellte Männerbrust
wirkt auch nicht mehr so selbstbewusst,

wie früher in den besten Tagen.
Das Herz will auch nicht richtig schlagen.

Es macht nur dann ein wenig Fahrt,
wenn eine dufte Biene naht.

Woran man wohl erkennen kann:

Alle:
Der Sechziger ist übel dran!

Vorleser:
Die Muskeln, früher voller Kraft,
sind nach und nach total erschlafft.

Die Lunge rasselt furchtbar schwer,
als ob sie am verrosten wär’.

Im Nacken hat sich unterdessen,
der Ischias schon festgefressen.

Derweil das Rheuma unvermindert,
den Sechziger am Bücken hindert.

Woran man schnell erkennen kann:

Alle:
Der Sechziger ist übel dran!

Vorleser:
Zu schaffen macht ihm seine Milz,
die Leber auch - das kommt vom Pils!

Ob Galle, Blase oder Nieren,
nichts will so richtig funktionieren.

Was vom Gebiss nicht recht zerkaut,
wird auch im Magen schlecht verdaut.

Der dicke Bauch ist ihm im Wege,
der Darm so faul und derart träge,

dass selbst der Popo, welch Verdruss
manch Tönchen fahren lassen muss.

Woran man wirklich riechen kann:

Alle:
Der Sechziger ist übel dran!

Vorleser:
Nun stellt sich mir die heikle Frage,
was ich zum klein Mann nun sage.

Am besten wäre es vielleicht,
wenn man es etwa so vergleicht:

Was früher mal in Sturm und Drang
beim ersten Anlauf gleich gelang,

das braucht heut eben seine Zeit,
vorausgesetzt es kommt so weit!

Woraus man leider schließen kann:

Alle:
Der Sechziger ist übel dran!

Vorleser:
Die schönen Waden sind seit Jahren,
verkrampft vom vielen Autofahren.

Ein Hühneraug’ an manchem Zeh
es schmerzt und tut erbärmlich weh.

Vom Schweiß- und Plattfuss ganz zu schweigen,
da soll er auch noch Frohsinn zeigen.

Ob man das wohl verlangen kann:

Alle:
Der Sechziger ist übel dran!

Vorleser:
Damit der Eindruck nicht entsteht,
dass es dem Kerl hier dreckig geht.

Ich sprach hier nur von jedermann
und nicht von ihm - seht ihn nur an.

Kommt er nicht gradewegs daher,
als ob er 59 wär'?

Elastisch, frisch und ohne Falten,
was hat ihn nur so jung gehalten?

Mach weiter so, Du hast die Wahl
uns ist es nämlich nicht egal,

ob es Dir gut geht oder schlecht
weil - bitteschön - versteh uns recht,

uns nur daran gelegen ist,
dass Du bei guter Laune bist.

Wenn Du die 70 schaffst - und wir,
dann sind wir alle wieder hier!

Alle:
Herzlichen Glückwunsch wünschen wir!

eingereicht von Johanna Harring

botMessage_toctoc_comments_902