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Hochzeitsgedichte

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Berühmte Gedichte zur Hochzeit

Es wird behauptet - und mit Grund

Es wird behauptet - und mit Grund -,
ein nützlich Werkzeug sei der Mund.
Zum Ersten lässt das Ding sich dehnen
wie Guttapercha, um zu gähnen.
Ach, Grete, wenn du dieses musst,
tu es im Stillen und mit Lust!

Zum Zweiten: Wenn es grad vonnöten,
kann man ihn spitzen, um zu flöten.
Sitzt dann der Schatz auch mal allein,
dies wird ihm Unterhaltung sein.

Zum Dritten lässt der Mund sich brauchen,
wenns irgend passend, um zu rauchen.
Dies kannst du deinem guten Gatten,
der darum bittet, wohl gestatten.

Zum Vierten ist es kein Verbrechen,
den Mund zu öffnen, um zu sprechen.
Vermeide nur Gemütserregung,
sprich lieber sanft, mit Überlegung.
Denn mancher hat sich schon beklagt:
»Ach, hätt ich das doch nicht gesagt!«

Zum Fünften, wie wir alle wissen,
so eignet sich der Mund zum Küssen.
Sei's offen oder sei's verhohlen,
gegeben oder nur gestohlen,
ausdrücklich oder nebenher,
bei Scheiden oder Wiederkehr,
zum Frieden und nach Kriegeszeiten:
Ein Kuss hat seine guten Seiten!

Zum Schluss jedoch nicht zu vergessen:
Hauptsächlich dient der Mund zum Essen.
Gar lieblich dringen aus der Küche
bis an das Herz die Wohlgerüche.
Hier kann die Zunge fein und scharf
sich nützlich machen, und sie darf!
Hier durch Gebrötel und Gebrittel
bereitet man die Zaubermittel
in Töpfen, Pfannen oder Kesseln,
um ewig den Gemahl zu fesseln.
Von hier aus herrscht mit schlauem Sinn
die Haus- und Herzenskönigin. -

Lieb's Gretchen! Halt dich wohlgemut,
Regiere mild - und koche gut.

Ein Hochzeitsgedicht von Wilhelm Busch 1832 – 1908

 

 

Oh wie lieblich

Oh wie lieblich, oh wie schicklich,
sozusagen herzerquicklich,
ist es doch für eine Gegend,
wenn zwei Leute, die vermögend,
außerdem mit sich zufrieden,
aber von Geschlecht verschieden,
wenn nun diese, sag ich, ihre
dazu nötigen Papiere
sowie auch die Haushaltsachen
endlich mal in Ordnung machen
und in Ehren und beizeiten
hin zum Standesamte schreiten.
Wie es denen, welche lieben,
vom Gesetze vorgeschrieben;
Dann ruft jeder freudiglich:
Gott sei Dank sie mögen sich!

Dass es hierzu aber endlich
kommen muss, ist selbstverständlich.
Oder liebt man Pfänderspiele?
So was lässt den Weisen kühle.
Oder schätzt man Tanz und Reigen?
Von Symbolen lasst uns schweigen.
Oder will man unter Rosen
innig miteinander Kosen?
Dies hat freilich seinen Reiz.
Aber elterlicherseits
stößt man leicht auf so gewisse
unbequeme Hindernisse,
und man hat, um sie zu heben,
als verlobt sich kund zu geben.

Das ist allerdings was Schönes,
dennoch mangelt dies und jenes.
Traulich im Familienkreise
sitzt man da und flüstert leise,
drückt die Daumen, küsst und plaudert.
Zehne schlägt's, indes man zaudert.
Mutter strickt und Vater gähnt,
und eh man was Böses wähnt,
heißt es: Gute Nacht bis morgen!

Tief im Paletot verborgen,
durch die schwarzen, nassen Gassen,
die fast jeder Mensch verlassen,
strebt man unmutsvoll nach hause
in die alte, kalte Klause,
wühlt ins Bett sich tief und tiefer,
Schnatteratt! So macht der Kiefer,
und so etwa gegen eine
kriegt man endlich warme Beine.
Kurz, Verstand sowie Empfindung
dringt auf ehliche Verbindung.

Dann wird's aber auch gemütlich.
Täglich, stündlich und minütlich.
Darf man nun vereint zu zweien
Arm in Arm spazieren gehen!
Ja, was irgend schön und lieblich,
segensreich und landesüblich
und ein gutes Herz ergetzt,
prüft, erfährt und hat man jetzt.

Ein Hochzeitsgedicht von Wilhelm Busch (1832 - 1908)

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Im Schlafgemach, fern von dem Feste

Im Schlafgemach, fern von dem Feste,
sitzt Amor dir getreu und wacht,
dass nicht die List mutwill'ger Gäste
das Brautbett dir unsicher macht.
Er harrt auf Dich. Der Fackel Schimmer
umglänzt ihn, und ihr flammend Gold
treibt Weihrauchdampf, der durch das Zimmer
in wollustvollen Wirbeln rollt.

Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde,
der deiner Gäste Lärm verjagt!
Wie blickst du nach dem schönen Munde,
der dir nun bald nichts mehr versagt.
Du gehst, und wünschend geht die Menge;
ach wer doch auch so glücklich wär'!
Die Mutter weint, und ihre Strenge
hielt' gern dich ab und darf nicht mehr.

Dein ganzes Glück nun zu vollenden,
trittst du ins Heiligtum herein;
die Flamme in des Amors Händen
wird wie ein Nachtlicht still und klein.
Schnell hilft der Schalk die Braut entkleiden
und ist doch nicht so schnell wie du,
sieht euch noch einmal an, bescheiden
hält er zuletzt die Augen zu.

Ein Hochzeitsgedicht von Johann Wolfgang von Goethe - 1749 – 1832

 

 

Ich wünsche mir eine hübsche Frau

Ich wünsche mir eine hübsche Frau,
die nicht alles nähme gar zu genau,
doch aber zugleich am besten verstände,
wie ich mich selbst am besten befände.

Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt von aller Freude,
Seh' ich ans Firmament nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt, ist in der Weite.

Es schwindelt mir, es brennt mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!

Ein Hochzeitsgedicht von Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)



Deine Rosen an der Brust

Deine Rosen an der Brust
sitz ich unter fremden Menschen,
lass sie reden, lass sie lärmen,
jung Geheimnis tief im Herzen.

Wenn ich einstimm in ihr Lachen
ist’s das Lachen meiner Liebe;
wenn ich ernst dem Nachbar lausche,
lausch ich selig still nach innen.

Einen ganzen langen Abend
muss ich fern dir, Liebster, weilen,
küssend heimlich, ohne Ende,
Deine Rosen an der Brust.

Ein Hochzeitsgedicht von Christian Morgenstern 1871 – 1914

 

 

Hier im Wald mit dir zu liegen

Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet,
in das Flüstern, in das Rauschen
leise liebe Worte mischend,
öfter aber noch dem Schweigen
lange Küsse zugesellend,
unerschöpflich – unersättlich,
hingegebne, hingenommne,
ineinander aufgelöste,
zeitvergessne, weltvergessne.
Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet.

Ein Hochzeitsgedicht von Christian Morgenstern 1871 – 1914

 

 

Einer Braut zum Abschied

Einer Braut zum Abschied
Hier, unterm Blick prophetischer Sterne,
weih ich dies Hochzeitsfest voraus:
Tief schaut die Muse in die Ferne
des bräutlichen Geschicks hinaus.

Wie golden wirkt die neue Schwelle
des Lebens jedem jungen Paar!
Doch weiß man, daß nicht stets so helle
der Mittag wie der Morgen war.

Heut aber seh ich schöne Tage
blühn in gedrängter Sternensaat,
entschieden liegt schon auf der Waage,
was dieses Paar vom Schicksal bat.

Hast, Liebchen, du der Jugend Blüte.
Anmut und Liebenswürdigkeit,
all deines Herzens lautere Güte
kühn deinem Einzigen geweiht:

läßt du der Heimat Friedensauen,
so manch ein lang gewohntes Glück,
um dir den eigenen Herd zu bauen,
halb wehmutsvoll, halb froh zurück:

Getrost! So darf ich laut es zeugen.
ein würdig Herz hast du gewählt:
selbst böser Neid bekennt mit Schweigen,
dass nichts zu deinem Glücke fehlt.

Denn Heiterkeit und holde Sitte,
wie Sommerluft, durchwehn dein Haus,
und, goldbeschuht, mit leisem Tritte
gehen Segensengel ein und aus.

Ein Hochzeitsgedicht von Eduard Mörike 1804 - 1875

 

 

An die Geliebte

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
Dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
Auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Dass nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf ? da lächeln alle Sterne;
Ich knie, ihrem Lichtgesang zu lauschen.

Ein Hochzeitsgedicht von Eduard Mörike 1804 – 1875

 

 

Zu viel

Der Himmel glänzt vom reinsten Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.

Am Dorfeshang, dort bei der luftgen Fichte,
Ist meiner Liebsten kleines Haus gelegen ?
O Herz, was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Dass all der Wonnestreit in dir sich schlichte!

Du, Liebe, hilf den süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, oh Frühling, hilf die Liebe beugen!

Lisch aus, o Tag! Lass mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.

Ein Hochzeitsgedicht von Eduard Mörike 1804 – 1875

 

 

Zwischen Lied und Liebe

Zwischen Lied und Liebe war mein Leben;
Aber, schwebend zwischen Lieb’ und Liede,
Wusst’ ich nie die beiden auszugleichen.
Oftmal sang ich anders als ich liebte,
Anders liebt’ ich oft als ich gesungen.
Nun ich dich gefunden, ist der Zwiespalt
Ausgeglichen, und rein ineinander
Aufgegangen sind mir Lied und Liebe.
Dich nur darf ich, wie ich liebe singen;
Dich nur kann ich, wie ich singe, lieben.
Sollt’ ich je nach andrem Sang, nach andrer
Liebe greifen, wieder unstet schwanken,
Da in deinem Herzen so vereinigt
Sind die beiden Pole meines Lebens?

Ein Hochzeitsgedicht von Friedrich Rückert 1788 – 1866

 

Nicht ihres Lächelns holder Zauber war's

Nicht ihres Lächelns holder Zauber war's,
nicht ihres Wesens schöner Außenschein,
die Reize nicht, die auf der Wange schweben,
selbst nicht der Glanz der göttlichen Gestalt:
Es war ihr tiefstes und geheimstes Leben,
was mich ergriff mit heiliger Gewalt,
wie Zaubers Kräfte unbegreiflich weben.

Die Seelen schienen ohne Worteslaut,
sich ohne Mittel geistig zu berühren,
als sich mein Atem mischte mit dem ihren;
fremd war sie mir und innig doch vertraut,
und klar auf einmal fühlt' ich's in mir werden:
Die ist es oder keine sonst auf Erden!

Ein Hochzeitsgedicht von  Friedrich von Schiller 1759 – 1805

 

 

Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe
Auszug aus dem Lied von der Glocke

Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,
Er stürmt ins Leben wild hinaus,
Durchmißt die Welt am Wanderstabe,
Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus.

Und herrlich in der Jugend Prangen,
Wie ein Gebild aus Himmelshöhn,
Mit züchtigen, verschämten Wangen
Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.

Da faßt ein namenloses Sehnen
Des Jünglings Herz, er irrt allein,
Aus seinen Augen brechen Tränen,
Er flieht der Brüder wilden Reihn.

Errötend folgt er ihren Spuren
Und ist von ihrem Gruß beglückt,
Das Schönste sucht er auf den Fluren,
Womit er seine Liebe schmückt.

0 zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
Der ersten Liebe goldne Zeit,
Das Auge sieht den Himmel offen,
Es schwelgt das Herz in Seligkeit;

O daß sie ewig grünen bliebe,
Die schöne Zeit der jungen Liebe!
Jetzt, Gesellen, frisch!
Prüft mir das Gemisch,

Ob das Spröde mit dem Weichen
Sich vereint zum guten Zeichen.
Denn wo das Strenge mit dem Zarten
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang.

Lieblich in der Bräute Locken
Spielt der jungfräuliche Kranz,
Wenn die hellen Kirchenglocken
Laden zu des Festes Glanz.

Ach! des Lebens schönste Feier
Endigt auch den Lebensmai,
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
Reißt der schöne Wahn entzwei.

Die Leidenschaft flieht,
Die Liebe muß bleiben;
Die Blume verblüht,
Die Frucht muß treiben.

Ein Hochzeitsgedicht von Friedrich von Schiller 1759 – 1805

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Es ist der Liebe heil'ger Götterstrahl

Es ist der Liebe heil'ger Götterstrahl,
welcher die Seele schlägt und zündet,
wenn sich Verwandtes zu Verwandtem findet.
Da nützt kein Widerstand und keine Wahl,
es löst der Mensch nicht, was der Himmel bindet.


Ein Hochzeitsgedicht von  Friedrich von Schiller 1759 – 1805



Selig durch die Liebe -Triumph der Liebe -

Selig durch die Liebe
Götter - durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
himmlischer - die Erde
zu dem Himmelreich.


Ein Hochzeitsgedicht von  Friedrich von Schiller 1759 – 1805


Warnung

Selbst die glücklichste der Ehen
hat einmal ein Ungemach;
selbst die besten Männer gehen
einmal ihren Launen nach.

Wer sich von dem Eheringe
goldne Tage nur verspricht,
oh, der kennt den Lauf der Dinge
und das Herz des Menschen nicht.

Manche warf sich ohne Sorgen
in des Mannes Arm wie du,
und beweint' am andern Morgen
ihre Freiheit, ihre Ruh.

Aus dem Sklaven ihrer Blicke
ward ein mürrischer Tyrann,
dessen Herz voll schwarzer Tücke
nur auf ihre Marter sann.

Doch dein Glück dir selbst zu schaffen
steht allein in deiner Hand;
die Natur gab dir die Waffen,
gab dir Sanftmut und Verstand.

Lerne deines Liebsten Herzen
liebevoll entgegensehn,
leichte Kränkungen verschmerzen,
kleine Fehler übersehn.

Ein Hochzeitsgedicht von  Friedrich Wilhelm Glotter 1746 – 1797

Dass du mich liebst, das wusst ich

Dass du mich liebst, das wusst ich,
ich hatt es längst entdeckt;
doch als du mir's gestanden,
hat es mich tief erschreckt.

Ich stieg wohl auf die Berge
und jubelte und sang;
ich ging ans Meer und weinte
beim Sonnenuntergang.

Mein Herz ist wie die Sonne
so flammend anzusehn,
und in ein Meer von Liebe
versinkt es groß und schön.

Ein Hochzeitsgedicht von Heinrich Heine 1797 -1856

 

 

Du wirst im Eh' stand viel erfahren
Ein kleiner Rat

Du wirst im Eh' stand viel erfahren,
was dir ein halbes Rätsel war;
bald wirst du aus Erfahrung wissen,
wie Eva einst hat handeln müssen,
dass sie hernach den Kain gebar.

Doch, Schwester, diese Eh'standspflichten
wirst du von Herzen gern verrichten,
denn glaube mir, sie sind nicht schwer.
Doch jede Sache hat zwo Seiten:
Der Eh'stand bringt zwar viele Freuden,
allein auch Kummer bringt er.

Drum, wenn dein Mann dir finstre Mienen,
die du nicht glaubest zu verdienen,
in seiner übeln Laune macht,
so denke, das ist Männergrille,
und sag: Herr, es gecheh' dein Wille
bei Tag, und meiner in der Nacht.

Ein Hochzeitsgedicht von Wolfgang Amadeus Mozart 1756 - 1791